
Die Fallstricke unseres Verstandes: Was High Performer über ihre Gedanken wissen müssen
Jun 23, 2024Warum Selbstreflexion entscheidend für deinen Erfolg ist:
In der heutigen Welt, besonders der Geschäftswelt, wird der rationale Verstand als die ultimative Instanz angesehen. Nichts hat Gültigkeit, bevor unser Verstand nicht analysiert und “ja” dazu gesagt hat.
Aber das ist gefährlich, denn unser Verstand ist nicht der fehlerfreie Lotse, an den wir so gern glauben.
Warum unsere Gedanken heute gefährlicher sind, als der Säbelzahn-Tiger vor 100.000 Jahren?
Im Gegensatz zu den echten physischen Gefahren, vor denen wir fliehen oder die wir bekämpfen konnten, können wir vor den modernen Gefahren - denen in unseren Gedanken - nicht fliehen und sie nicht bekämpfen.
Emotionaler und mentaler Stress, unter dem viele Top Performer und Führungskräfte heute leiden, ist anders, als die physischen Bedrohungen, denen unsere Vorfahren ausgesetzt waren.
Ihre Bedrohungen waren real. Unsere sind meist nur Projektionen in die Zukunft.
Was könnte alles Schlimmes passieren?
Unser Verstand und Vorstellungsvermögen sind ein Ort der endlosen Horrorszenarien und potentiellen Katastrophen.
Wir können diesen Vorstellungen selten mit einer physischen Reaktion begegnen. Wenn wir es tatsächlich tun - wenn wir zum Beispiel die Fassung verlieren, sind die Konsequenzen meist negativ bis katastrophal. Beziehungen werden ernsthaft beschädigt, Brücken verbrannt.
Weil sie nicht im gegenwärtigen Moment existieren, können wir nicht unsere vorprogrammierten Reaktionen abrufen, um zu antworten.
Vorgestellte oder antizipierte Gefahren sind für unser Gehirn aber ebenso real, wie eine tatsächlich physische Bedrohung.
Eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Funktion unseres Verstandes ist, das Überleben zu sichern. Er wittert immer und überall Gefahr. Überzeichnet sie. Vorsicht ist besser als Nachsicht.
Mittels eines komplexen Prozesses und dem Zusammenspiel unseres Autonomen Nervensystems (nicht willentlich steuerbaren Teil des NS) und dem Endokrinen System (Drüsen und Hormone) wird eine körperliche Reaktion ausgelöst, die uns kurzfristig ein eine Art Super-Menschen verwandelt - die Stressreaktion und der “Fight or Flight” Modus.
Diese Reaktion ist einzig dazu bestimmt, uns kurzfristig in Notsituationen das Überleben zu sichern. Und für diese Zeit werden alle anderen Prozesse (wie Heilung und Wiederherstellung) zurückgestellt.
Halten wir unsere Gedanken nicht im Zaum, geraten wir in eine Negativ-Spirale aus antizipierten Gefahren und einen ununterbrochenen Stresszustand. Überlebenskampf von früh bis spät.
Wir brauchen Wege, unserem Verstand klar zu machen, dass das nicht real ist.
Wir sind nicht unser Verstand.
Genauso wenig, wie wir unsere Lunge oder Blut sind.
Niemand steht früh auf und sagt: “Ich bin meine Knochen”.
Unser Gehirn ist ein Organ, ein Werkzeug, das wir zur Verfügung haben.
Aber es ist nicht unsere Persönlichkeit und Wesen.
Wir können und sollten entscheiden, wann wir dieses Werkzeug benutzen und wann wir ihm misstrauen, weil es fehlerhaft sein kann.
Die beste Möglichkeit, die ich für mich entdeckt habe: Schreiben!
Schreiben zwingt uns, unsere Gedanken auszuformulieren und eben zu durchdenken. Das gibt uns die Chance, die “Gefahr” auf ihre Wahrscheinlichkeit hin zu prüfen.
Das Ergebnis ist meist: Nicht wahrscheinlich! Im Gegenteil. Eher unwahrscheinlich.
Für mich funktionieren am besten 2 Gewohnheiten.
1) täglich (21:00 Uhr) für 2-5min in einer Notiz-App meine Gedanken über den heutigen Tag in Kurzform zu notieren. Ich beantowrte 4 Fragen:
- Was war heute gut?
- Was war nicht gut?
- Kann ich dagegen etwas tun und was?
- Was sind meine Prioritäten / To Do´s für morgen?
2) einmal wöchentlich tausche ich die Fragen gegen eine Macro-Betrachtung:
- Was ist das Große Ziel oder Vision?
(Wenn du es nicht weißt, fang mit deiner Anti-Vision an. Dazu haben wir einen extra Blog Post)
- Was ist die eine Sache, der Engpass, der mich gerade abhält das zu erreichen?
- Warum tue ich es nicht? (Hier kann der Grund unterschiedlich gelagert sein. Ist eine Skill, ein Kontakt die fehlen? Oder ein Glaubenssatz, der mich hindert? …)
Unser Gehirn ist ein Werkzeug das wir haben und wir müssen lernen, es richtig einzusetzen und auch erkennen, wann es uns fehlleitet.
Die Tatsache, dass wir Zeit haben, uns über Gedanken und Gefühle Sorgen zu machen, die nur in unserem Kopf existieren, ist der ja Beweis, dass es keine reale physische Gefahr gibt, mit der wir im Moment konfrontiert.
Würde eine echte Gefahr drohen, wären wir mit Rennen beschäftigt, nicht mit Grübeln und Beschweren. Das müssen wir uns immer wieder klar machen.
Training der Gedanken, Disziplin, sie zu checken, einzufangen und die Fehler zu erkennen erfordert Training. Training wie für jeden anderen Körperteil. Regelmäßig und planvoll.
Andernfalls sind wir immer auf der Flucht.
Wir fliehen vor Geistern, die nicht real sind.
Und diese Geister jagen uns zu Tode…
Die Kurzfassung:
- unser Gehirn und Verstand sind ein Werkzeug, nicht wir selbst
- ihre primäre Aufgabe ist, Gefahren zu erkennen und unser Überleben zu sichern
- eine Art das zu tun ist, Probleme zu überspitzen: “Vorsicht ist besser als Nachsicht”
- realen, physischen Gefahren begegnen wir mit Flucht oder Kampf
- die Stressreaktion bündelt für diese Situationen unsere körperliche Kapazität
projizierten Gefahren können nicht auf diese Weise behoben werden, lösen aber den gleichen Mechanismus aus, der so nie enden kann
- ein dauerhafter Stresszustand verbraucht unsere Reserven und schädigt unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit
- meine bevorzugte Methode, diese Spirale zu verlassen: Schreiben - Gedanken ausformulieren, durchdenken und auf Wahrheitsgehalt prüfen…
Bis zum nächsten, Marcel
Wenn du Interesse hast, kontaktiere uns und wir vereinbaren ein Gespräch, um uns kennenzulernen und zu verstehen, wo wir dir am besten helfen können.